China . September / Oktober 2010

 

09.2010 Zhuhai

 

Morgen wird also die Eröffnung sein, und eigentlich könnte/sollte heute aufgebaut sein, aber wir haben ja noch den ganzen Vormittag.

Dazu aber vielleicht noch mehr später.

Jetzt sitze ich in dieser Garküche, ein Garagenlokal mit Klapptische mit lackierter Holzplatte und Spritzplaste Hockern auf der Straße. Ich hab aus der Auswahl von Spießen Lotus, einmal Tofu, drei verschieden Pilzspieße, frischen Koriander, Broccoli, und noch ein Grünzeug vom dem ich den Namen nicht weiß, alles in einen Korb gelegt und der Frau hinter den Kochtöpfen gegeben. Ich habe mir noch eine Flasche Tsingtao Bier aus dem Kühler genommen und jetzt sitze ich an einem dieser Tische bis mir die Frau in ca. 7 Minuten das Essen bringen wird. Neben mir sitzen zwei junge Frauen in weiß-blau  gestreiften Hemden und einer hellbeigen Hose, es kommen noch einmal zwei in gleichen Kleidern. Sie warten bis der Junge, der zum Lokal gehört den Tisch von den Überresten der Voresser befreit und gesäubert hat, so wie um den Tisch herum gefegt, also Erdnussschalen, Einwegstäbchen und Verpackungsmaterialien auf der Kehrschaufel hat, dann setzen sie sich an diesen Tisch. Mir fällt Liu Ye ein, der meinte, wenn man mit Freunden in China isst, dann muss das anschließend so aussehen, wenn es gut war. Während ich dies denke, kommen irgendwie immer mehr von diesen adrett uniformierten Frauen, die meisten gehen weiter.

Ein Junge in einem billigen blauen Trainingsanzug starrt gebannt auf den Bildschirm am Kneipeneingang, auf dem ein Kungfu Film in traditionellen Gewändern läuft, bei dem es aber auch Pistolen gibt. Er stäbchend aus einer Styropor schale sein Essen, das er von irgendwo mitgebracht hat. Plötzlich schmeißt er die Stäbchen hinter sich, wie man das von den Gläsern des Vodka kennt und die Schale sehe ich auch nichtmehr in seinen Händen. Er geht ein paar Schritte nach vorne, da sitz bereits ein andere Junge vielleicht zwei Jahre jünger in einem roten Muscle T-Shirt und schaut genauso gebannt auf die Mattscheibe.

Gestern gab es an derselben Stelle bereits schon einen Kungfu Film in traditionellen Gewändern, allerdings ohne Pistolen, aber dafür war die Frau des Hauptdarstellers zwar dunkelhaarig, aber eine Langnase. Die Frauen am Nachbartisch haben fertiggegessen und stehen auf. Ich bin erstaunt, wie kurz die Beine der einen sind, im Verhältnis zu ihrem Oberkörper. Dies ging mir schon so bei der einen Frau im Wartebereich am Flughaven in Dubai. Die Beine waren im Verhältnis zum Oberkörper so kurz, dass es so außergewöhnlich war und irgendwie etwas Attraktives hatte, so überhaupt nicht in das Proportionsschema von Leonardo da Vinci passend.

Mein Essen ist inzwischen gekommen, schmeckt genauso lecker und Reis würde nur stören.

 

 

 

 

13. Sept.

 

Ich versuche meine gute europäische Kinderstube nicht zu leugnen und diese dicke große Nudel mit den Essstäbchen zu teilen. Das gelingt! Allerdings hat der eine Teil etwas ruckartig nachgeben und ist etwas heftig in die Soße zurückgerutscht. Nun verunzieren lauter kleine braune Punkte mein frisches weißes Hemd. Ich blicke auf. Mir gegenüber sitzt Simon in einem schwarzen Poloshirt, das wäre eine Alternative gewesen oder ich hätte irgendwelche gebratenen Dinge zum Frühstück gegessen, da gibt es keine Soße, aber mit meinem westlichen Magen, hatte ich Lust auf Gedämpftes.

Ich entschuldige mich bei mir, dass ich 3 Jahre nicht hier war und noch keine 10 Stunden in Kanton China gelandet bin. Ich hatte mich nach wenigen StundenSchlaf in dieses Chinesische Schnellrestaurant mitnehmen lassen, um rechtzeitig zur Eröffnung eines internationalenTreffen beizuwohnen zu können. Nun gut, das Hemd wird für diesen Zweck nicht mehr fleckenlos, dennoch beidem Treffen meinem Eindruck hoffentlich nicht nachhaltig schaden und ich werde mich über meinen Teller beugen, wie alle hier und den Nudeln möglichst wenig Chance geben mich weiter zu besudeln. Ich bin also schon ein ganzes Stück in China angekommen.  Museums